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Das patentierte KRÖLBAU-Montage-Baukastensystem wurde in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre in der DDR von der halbstaatlichen »KRÖLPALIT-Baustoffwerk Kuno Ernst Fröhlich KG« entwickelt, um die einheimische Ressource Gips auch für die industrielle Komplettfertigung einfacher einetagiger Gebäude verwenden zu können.
Dem Entwicklerteam der im thüringischen Krölpa bei Pößneck ansässigen Firma war es gelungen, stahlbewehrte Stützen aus »modifiziertem Gips« sowie Waben- und Sandwich-Gipsplatten zu entwickeln, die zu mehrschiffigen und fast beliebig langen Gebäuden zusammengesetzt werden konnten. Die Stützen wurden aus Halbrahmen gebildet, die nach dem statischen Prinzip des Dreigelenkbogens zusammengesetzt, im Raster aufgestellt und mit Decken- und Wandplatten ausgesteift wurden.
Nach der vollständigen Übernahme des Betriebes durch den Staat 1972 produzierte und montierte der »VEB (B) Baustoffwerk Krölpalit« noch bis 1981 KRÖLBAU-Bauten als Bungalows, Einfamilienhäuser, Ferien- und Wohnheime, Gaststätten, Kindergärten, Kioske, Kaufhallen, Lager-, Büro-, Sozial- und Mehrzweckgebäude.
Ziel des Forschungsprojektes ist es, schrittweise Typen, Formen, Technologien, Prozesse und Standorte des heute weitgehend unbekannten Baukastensystems zu rekonstruieren und ihm einen Platz in der deutschen Baugeschichte des 20. Jahrhunderts einzuräumen. Die Archivrecherchen werden von Feldforschungen und Zeitzeugenbefragungen begleitet. Die Ergebnisse sollen unter vimudeap.info/kroelpalit und in der Fachpresse veröffentlicht und ein Wikipedia-Eintrag gepflegt werden.
Mit diesen beiden persönlichen Rückblicken soll kurz über den Ursprung des Projektes und die Forschungsaktivitäten des Jahres 2025 berichtet werden.
Thomas Kemnitz, Januar 2026.
Bei einem Treffen im April 2025 berichtete der emeritierte VIMUDEAP-Projektmentor, Prof. Thomas Born, von einem interessanten Bauensemble im brandenburgischen Dorf Wulkow. Es fiel deutlich aus dem Straßenbild heraus und dominierte das Zentrum des Dorfes. Neben der ungewöhnlichen Aufteilung der Gebäude in einen kargen Keller-Sockel und einen bungalowähnlichen Wohnaufbau waren es vor allem die schrägen, aus der Fassade herausragenden »Rippen«, die die Gebäude als etwas Besonderes erscheinen ließen.
Sie erinnerten mich sofort an die Ruinen jener Baracken, die ich genau 10 Jahre zuvor in der Nähe eines chemischen Betriebes in Sachsen-Anhalt fotografiert hatte. Eine Gegenüberstellung der damaligen Aufnahmen mit denen Thomas Borns bestätigte, dass es sich um die gleiche Bauweise handelte.
Eine erste Webrecherche ergab, dass es sich bei den als »Gipshäuser von Wulkow« bezeichneten Gebäuden um bedrohte Baudenkmale handelte, für deren Erhalt der Gemeinde seit Jahren das Geld fehlte. Auch mit dem Verkauf an einen privaten Investor verbesserte sich die Situation nicht.
Aus zwei lokalen Online-Presseartikeln aus den Jahren 2014 und 2024 ging hervor, dass es Fertigteilhäuser der Fa. Krölpalit waren, die Anfang der 1970er Jahre errichtet wurden. Die Autoren bezogen sich in ihren Artikeln auf die Beurteilung durch das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege aus dem Jahr 2005. Das als KRÖLBAU bezeichnete System aus Gipsbauelementen wurde in den 1960er Jahren von der damals im thüringischen Krölpa ansässigen Firma Krölpalit entwickelt. Dem Gutachten nach wurden in der gesamten DDR solche Bauten errichtet, von denen aber nur noch wenige existieren.
Wenn eine Websuche nach einem DDR-Baukastensystem aus Gipsbauelementen mit singulären Suchbegriffen wie »Krölpalit« oder »Krölbau« nicht einmal 15 Ergebnisse hervorbringt und nur zwei davon unabhängige Inhalte generieren, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um ein unerschlossenes Thema handelt. Ähnlich wie beim Thema Bunkerkampf Übungsanlagen auf deutschen Truppenübungsplätzen von 1933-1945 wollte ich mich der Herausforderung stellen, ausgehend von der Aneignung der bereits 2015 fotografierten ruinösen Baracken des Chemiebetriebes, das Thema »Das KRÖLBAU Montage-Baukastensystem aus Gipsbauelementen und das Baustoffwerk Krölpalit« zu entwickeln, um u.a. frei zugängliches Wissen zu generieren.
Die Einsichtnahme in die Objektakten des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege zu den »Gipshäusern von Wulkow« brachte zwar keine einzige Signatur eines Archivs hervor, aber zahlreiche Kopien aus den Projektunterlagen und wertvolle Aussagen eines ehemaligen Krölpalit-Mitarbeiters zur Geschichte der Firma und des Baukastensystems.
Damit waren die Aufgaben für die nächsten Monate festgelegt: Dokumente, Zeitzeugen und weitere Standorte finden, Inhalte und Aussagen erfassen, analysieren, verifizieren und dokumentieren. Das Projekt-Aktivitätsprotokoll des Jahres 2025 mit seinen mehr als 150 Einträgen verweist auf genügend Material für den Forschungsbericht, der stellenweise sogar als anekdotenreiche Kriminalgeschichte geschrieben werden könnte.
Glücklicherweise fand ich viele Menschen, die bereit waren, mich zu unterstützen, aufgeschlossen ihr Wissen und ihre Dokumente teilten und immer wieder Anknüpfungspunkte für weitere Recherchen lieferten. Menschen, die einst in der Fa. Krölpalit beschäftigt waren, die in Krölbau-Häusern wohnen, in Ämtern oder Archiven arbeiten, sich mit ähnlichen Themen beschäftigen oder sich einfach freuen, dass das Baukastensystem nicht vergessen wird. Ihnen allen bin ich sehr dankbar! Auch ohne überliefertes Firmenarchiv war es möglich, historisches Material zusammenzutragen, das auf Sichtung und Analyse wartet.
Stellvertretend möchte ich Eva und Kurt Frey nennen, die in den 1980er Jahren als Hauptbuchhalterin bzw. Technischer Leiter in der Fa. Krölpalit gearbeitet haben und die gerade am Anfang meiner Forschungen viele Impulse gaben und Weichen stellten.
Die im Jahr 2025 auf Instagram als »Reels« veröffentlichten Krölpalit-Videos können auch auf vimeo angesehen werden: vimeo.com/showcase/12050608.
Von den 42 bisher recherchierten Standorten von KRÖLBAU-Gebäuden konnten nur 6 nicht lokalisiert werden. Vier können als nicht gebaut gelten und an 9 Standorten wurden die Bauten abgerissen. An 23 Standorten sind insgesamt noch 144 KRÖLBAU-Gebäude vorhanden. In mehr als 40 von ihnen wohnen Menschen, mit denen es ins Gespräch zu kommen gilt!
Ein Video der 2025er »Instagram-Story-Highlights« kann auf vimeo angesehen werden: vimeo.com/1152214651.
Wenn Sie in einem KRÖLBAU-Gebäude der Firma Krölpalit gelebt, gearbeitet, eingekauft oder Urlaub gemacht haben, in einem der wenigen noch vorhandenen Krölpalit-Häuser wohnen oder Ihre Verwandten noch Materialien zum Thema Krölpalit haben, dann schreiben Sie mir eine Email, WhatsApp, per Instagram oder rufen Sie mich an und erzählen Sie mir Ihre Krölpalit-Geschichte! Thomas Kemnitz, Projektleitung.
Email → thomas.kemnitz@htw-berlin.de
Telefon → +49 151 57 686 667
WhatsApp → +49 151 57 686 667
Instagram → @kroelpalit







