Diese Projektseite → kroelpalit.de
Hochschule → Forschungsdatenbank der HTW Berlin
Instagram → @kroelpalit
Seiteninhalt
→ Krölpalit / Krölbau
→ Projektziel
→ Bildforensisch-historisches Rechercheprojekt
→ Rückblicke 2025
Wie alles begann ...
Sammeln und Sichten
→ Zeitzeugen gesucht!
Das patentierte KRÖLBAU-Montage-Baukastensystem wurde in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre in der DDR von der halbstaatlichen »KRÖLPALIT-Baustoffwerk Kuno Ernst Fröhlich KG« entwickelt, um die einheimische Ressource Gips auch für die industrielle Komplettfertigung einfacher einetagiger Gebäude verwenden zu können.
Dem Entwicklerteam der im thüringischen Krölpa bei Pößneck ansässigen Firma war es gelungen, stahlbewehrte Stützen aus »modifiziertem Gips« sowie Waben- und Sandwich-Gipsplatten zu entwickeln, die zu mehrschiffigen und fast beliebig langen Gebäuden zusammengesetzt werden konnten. Die Stützen wurden aus Halbrahmen gebildet, die nach dem statischen Prinzip des Dreigelenkbogens zusammengesetzt, im Raster aufgestellt und mit Decken- und Wandplatten ausgesteift wurden.
Nach der vollständigen Übernahme des Betriebes durch den Staat 1972 produzierte und montierte der »VEB (B) Baustoffwerk Krölpalit« noch bis 1981 KRÖLBAU-Bauten als Bungalows, Einfamilienhäuser, Ferien- und Wohnheime, Gaststätten, Kindergärten, Kioske, Kaufhallen, Lager-, Büro-, Sozial- und Mehrzweckgebäude.
Ziel des Forschungsprojektes ist es, schrittweise Typen, Formen, Technologien, Prozesse und Standorte des heute weitgehend unbekannten Baukastensystems zu rekonstruieren und ihm einen Platz in der deutschen Baugeschichte des 20. Jahrhunderts einzuräumen. Die Archivrecherchen werden von Feldforschungen und Zeitzeugenbefragungen begleitet. Die Ergebnisse sollen unter vimudeap.info/kroelpalit und in der Fachpresse veröffentlicht und ein Wikipedia-Eintrag gepflegt werden.
Vorgestellt wir ein bildforensisch-historisches Rechercheprojekt zu einem KRÖLBAU-Gebäudeensemble, das im September 2026 auf dem Instagram-Kanal des Forschungsprojektes - @kroelpalit - veröffentlicht wurde.
-
Vorgestellt wir ein bildforensisch-historisches Rechercheprojekt zu einem KRÖLBAU-Gebäudeensemble, das im September 2026 auf dem Instagram-Kanal des Forschungsprojektes - @kroelpalit - veröffentlicht wurde. Ausgangspunkt ist eine zunächst nicht zuzuordnende Fotografie eines ehemaligen Krölpalit-Mitarbeiters. In drei Abschnitten werden die Schritte zur Identifizierung des Motivs nachvollzogen: Wo? bestimmt den Ort, Was? untersucht Art und Funktion der Gebäude, Wer? klärt schließlich, wer sie errichtete und nutzte. © 2026 Thomas Kemnitz
-
Den Standort Zittau konnte der Kollege Aron Bernt anhand einer Petition zu den Wohnhäusern in der Zittauer Kantstraße aus dem Jahr 2022 verifizieren. Die Gebäude wurden 2023 abgerissen. © 2026 Thomas Kemnitz
-
Auch wenn die meisten frei verfügbaren Luftbilder jünger als das Ausgangsfoto waren, die Gebäude in der Kantstraße (1) 2023 abgerissen wurden und das Areal bis zum Bahnkörper (2) bebaut wurde, war es möglich, den Standort der KRÖLBAU-Gebäude (3) zu ermitteln. Quelle: GoogleEarth. © 2026 Thomas Kemnitz
-
Die drei KRÖLBAU-Gebäude sind in ihrer räumlichen Beziehung treffend dargestellt. Links das Sozialgebäude und rechts die beiden Unterkunftsgebäude. Sie scheinen sich geradezu vor die beiden bedeutenden historischen Schulgebäude zu schieben. Links: Betriebsberufsschule VEB Robur-Werke (ehem. Handwerker- u. Gewerbeschule, 1928/30). Mitte: Ingenieurhochschule (ehem. Bauschule,1953/55). Aufnahme: Autor unbekannt, ca. 1968/69. Quelle: Stadtarchiv Zittau, 6336, Nr. 8. KI-gestützte Staubentfernung und Schärfung. © 2026 Thomas Kemnitz
-
Lackierarbeiten an Heizkörpern in einem der Unterkunftsgebäude. Im Gegensatz zur später häufig ausgeführten Variante, bei der der Zwischenraum zwischen zwei Mittelschiffen den Korridor bildete, wurde bei dieser frühen Variante das gesamte Seitenschiff als Korridor genutzt. Aufnahme: Kalwak, ca. 1968/69. Quelle: Stadtarchiv Zittau, 6336, Nr. 1743. KI-gestützte Staubentfernung und Schärfung. © 2026 Thomas Kemnitz
-
»Unterkunftsmontagebauten für vietnamesische Staatsbürger« diese Formulierung macht klar, daß im Teil Wer? des dreiteiligen Beitrags Wo? Was? Wer? Themen stecken, die den Blick auf die Menschen, die die Gebäude geplant, gebaut und genutzt haben, erweitern und Potenzial für weitere Forschungen bieten. Stellvertretend werden fragmentarisch drei mediale Perspektiven auf die Nutzer:innen gezeigt. Quelle: Stadtarchiv Zittau IIc-I-20-Nr. 477. © 2026 Thomas Kemnitz
-
Unterkünfte für vietnamesische Staatsbürger, die im VEB Robur-Werke Zittau ausgebildet werden. Planträger: VVB Automobilbau Karl-Marx-Stadt. Investträger: VEB Robur-Werke Zittau. Bauherr: VEB Robur-Werke Zittau. Baubetrieb: VEB Robur-Werke Zittau. Ausführung Montagebauten: Krölpalit-Baustoffwerk Kuno E. Fröhlich KG, Krölpa. Lage: Gelände der Betriebsberufsschule VEB Robur-Werke Zittau. Gebrauchsabnahme Unterkünfte 16.12.1968, Gebrauchsabnahme Sozialgebäude 28.03.1969. Anz. Personen: ca. 100. Anz. Räume: 16 á 28,75 qm. Quelle: Stadtarchiv Zittau IIc-I-20-Nr. 477. © 2026 Thomas Kemnitz
-
Die Ankunft der 80 Lehrlinge aus Vietnam im Sommer 1969 wird propagandistisch aufbereitet. Nguyen Huu Dong schreibt u. a. über das Bemühen seiner Landsleute um gute Leistungen als Beitrag im Kampf gegen den »imperialistischen Aggressor« in ihrer Heimat, über die Strenge der deutschen Ausbilder oder über ihr herzliches Verhältnis zu einer Sekretärin, die sie »Mutter« nennen. Quelle: DDR-Revue, Ausgabe 1/1972, S. 29-31. © 2026 Thomas Kemnitz
-
Den Migrant:innen, die in die DDR kamen, um zu arbeiten, zu lernen oder um Schutz zu finden, widmet sich das Projekt »Eigensinn im Bruderland«. Dort erfahren wir u.a., daß 1979 die vietnamesischen Lehrlinge des VEB Robur-Werke Zittau streikten. Quelle: bruderland.de »Eigensinn im Bruderland« ist ein Projekt des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin und out of focus medienprojekte. Zeichnung: Tine Fetz © 2026 Thomas Kemnitz
-
20 Jahre nach dem Beginn seiner Lehrzeit im VEB Robur-Werke Zittau besuchte Jürgen Abraham die KRÖLBAU-Bauten. Er bewohnte damals mit anderen Lehrlingen das 2005 schon nicht mehr vorhandene westliche Unterkunftsgebäude. Quelle: Jürgen Abraham, Lehrlingswohnheim (Internat) der Robur Berufsschule in Zittau 2005, youtube.com/watch?v=ubVosMrwk1g. © 2026 Thomas Kemnitz
-
PROLOG: Während meines Wehrdienstes Ende der 1980er Jahre war ich zeitweise keine 500 m von den KRÖLBAU-Bauten entfernt in diesem 2021 nicht mehr vorhandenem Kasernengebäude untergebracht. Es lag dem Bauensemble in der Kantstraße (siehe Beitragsteil Wo?) direkt gegenüber. 2021 ist es im Hintergrund noch zu sehen. Fotos 2015 und 2021 Thomas Kemnitz. © 2026 Thomas Kemnitz
Mit diesen beiden persönlichen Rückblicken soll kurz über den Ursprung des Projektes und die Forschungsaktivitäten des Jahres 2025 berichtet werden.
Thomas Kemnitz, Januar 2026.
Bei einem Treffen im April 2025 berichtete der emeritierte VIMUDEAP-Projektmentor, Prof. Thomas Born, von einem interessanten Bauensemble im brandenburgischen Dorf Wulkow. Es fiel deutlich aus dem Straßenbild heraus und dominierte das Zentrum des Dorfes. Neben der ungewöhnlichen Aufteilung der Gebäude in einen kargen Keller-Sockel und einen bungalowähnlichen Wohnaufbau waren es vor allem die schrägen, aus der Fassade herausragenden »Rippen«, die die Gebäude als etwas Besonderes erscheinen ließen.
Sie erinnerten mich sofort an die Ruinen jener Baracken, die ich genau 10 Jahre zuvor in der Nähe eines chemischen Betriebes in Sachsen-Anhalt fotografiert hatte. Eine Gegenüberstellung der damaligen Aufnahmen mit denen Thomas Borns bestätigte, dass es sich um die gleiche Bauweise handelte.
Eine erste Webrecherche ergab, dass es sich bei den als »Gipshäuser von Wulkow« bezeichneten Gebäuden um bedrohte Baudenkmale handelte, für deren Erhalt der Gemeinde seit Jahren das Geld fehlte. Auch mit dem Verkauf an einen privaten Investor verbesserte sich die Situation nicht.
Aus zwei lokalen Online-Presseartikeln aus den Jahren 2014 und 2024 ging hervor, dass es Fertigteilhäuser der Fa. Krölpalit waren, die Anfang der 1970er Jahre errichtet wurden. Die Autoren bezogen sich in ihren Artikeln auf die Beurteilung durch das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege aus dem Jahr 2005. Das als KRÖLBAU bezeichnete System aus Gipsbauelementen wurde in den 1960er Jahren von der damals im thüringischen Krölpa ansässigen Firma Krölpalit entwickelt. Dem Gutachten nach wurden in der gesamten DDR solche Bauten errichtet, von denen aber nur noch wenige existieren.
Wenn eine Websuche nach einem DDR-Baukastensystem aus Gipsbauelementen mit singulären Suchbegriffen wie »Krölpalit« oder »Krölbau« nicht einmal 15 Ergebnisse hervorbringt und nur zwei davon unabhängige Inhalte generieren, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um ein unerschlossenes Thema handelt. Ähnlich wie beim Thema Bunkerkampf Übungsanlagen auf deutschen Truppenübungsplätzen von 1933-1945 wollte ich mich der Herausforderung stellen, ausgehend von der Aneignung der bereits 2015 fotografierten ruinösen Baracken des Chemiebetriebes, das Thema »Das KRÖLBAU Montage-Baukastensystem aus Gipsbauelementen und das Baustoffwerk Krölpalit« zu entwickeln, um u.a. frei zugängliches Wissen zu generieren.
Die Einsichtnahme in die Objektakten des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege zu den »Gipshäusern von Wulkow« brachte zwar keine einzige Signatur eines Archivs hervor, aber zahlreiche Kopien aus den Projektunterlagen und wertvolle Aussagen eines ehemaligen Krölpalit-Mitarbeiters zur Geschichte der Firma und des Baukastensystems.
Damit waren die Aufgaben für die nächsten Monate festgelegt: Dokumente, Zeitzeugen und weitere Standorte finden, Inhalte und Aussagen erfassen, analysieren, verifizieren und dokumentieren. Das Projekt-Aktivitätsprotokoll des Jahres 2025 mit seinen mehr als 150 Einträgen verweist auf genügend Material für den Forschungsbericht, der stellenweise sogar als anekdotenreiche Kriminalgeschichte geschrieben werden könnte.
Glücklicherweise fand ich viele Menschen, die bereit waren, mich zu unterstützen, aufgeschlossen ihr Wissen und ihre Dokumente teilten und immer wieder Anknüpfungspunkte für weitere Recherchen lieferten. Menschen, die einst in der Fa. Krölpalit beschäftigt waren, die in Krölbau-Häusern wohnen, in Ämtern oder Archiven arbeiten, sich mit ähnlichen Themen beschäftigen oder sich einfach freuen, dass das Baukastensystem nicht vergessen wird. Ihnen allen bin ich sehr dankbar! Auch ohne überliefertes Firmenarchiv war es möglich, historisches Material zusammenzutragen, das auf Sichtung und Analyse wartet.
Stellvertretend möchte ich Eva und Kurt Frey nennen, die in den 1980er Jahren als Hauptbuchhalterin bzw. Technischer Leiter in der Fa. Krölpalit gearbeitet haben und die gerade am Anfang meiner Forschungen viele Impulse gaben und Weichen stellten.
-
Die im Jahr 2025 auf Instagram als »Reels« veröffentlichten Krölpalit-Videos können auch auf vimeo angesehen werden: vimeo.com/showcase/12050608.
Von den 68 bisher recherchierten Standorten von KRÖLBAU-Gebäuden konnten 11 noch nicht bestätigt werden. Sechs können als nicht gebaut gelten und an 16 Standorten wurden die Bauten abgerissen. An 35 Standorten sind insgesamt noch 152 KRÖLBAU-Gebäude vorhanden. In mehr als 40 von ihnen wohnen Menschen, mit denen es ins Gespräch zu kommen gilt! (Stand 07.05.2026)
-
Ein Video der 2025er »Instagram-Story-Highlights« kann auf vimeo angesehen werden: vimeo.com/1152214651.
Wenn Sie in einem KRÖLBAU-Gebäude der Firma Krölpalit gelebt, gearbeitet, eingekauft oder Urlaub gemacht haben, in einem der wenigen noch vorhandenen Krölpalit-Häuser wohnen oder Ihre Verwandten noch Materialien zum Thema Krölpalit haben, dann schreiben Sie mir eine Email, WhatsApp, per Instagram oder rufen Sie mich an und erzählen Sie mir Ihre Krölpalit-Geschichte! Thomas Kemnitz, Projektleitung.
Email → thomas.kemnitz@htw-berlin.de
Telefon → +49 151 57 686 667
WhatsApp → +49 151 57 686 667
Instagram → @kroelpalit





















