Nukleares Gefechtskopflager, Militärstädtchen Nummer 2, Lychen

Auf der Suche nach einer sowj. 'Stadt im Wald', heute als Vogelsang bekannt, stiessen wir 1995 auf ein Objekt mit roten Sternen am Tor, einer nach DDR-Art gestrichenen Betonmauer, einer Sauna mit Wandbildern, auf denen dickbaeuchige Glatzkoepfe Club-Cola tranken ... . Die Neugier wurde noch groesser, als ein Blick ueber die Mauer noch weitere fuenf Zaunreihen darbot. Darunter auch ein Elektrozaun, wie wir ihn von NVA-Objekten kannten. Einmal das Objekt umrundet und eine Spaziergaengering gefragt: hier sollten die Sowjet-/GUS-Truppen Kernwaffen repariert haben. Eine damals unglaubliche Vorstellung, was gab es daran zu reparieren? Wie kamen die Sprengkoepfe hierher? Doch nicht ueber diesen holprigen Beton-Waldweg!? Doch die Zaeune sprachen dafuer... .

Das Jahr 2000 bringt das erwartete Licht ins Dunkel. Der neue Eigentuemer, die Brandenburgische Boden Gesellschaft fuer Grundstuecksverwaltung und -verwertung hat viel getan, um das Objekt fuer potentielle Kaeufer oder Mieter attraktiv zu gestalten. Kampfmittel, Stolperdraehte, Zaeune und Schuetzengraeben wurden geschliffen. Gabaeude entkernt, Wege befahrbar gehalten. Die Sauna gibt es nicht mehr. Elekrische Anlagen koennen wieder in Betrieb genommen werden. Alles steht bereit fuer eine Neunutzung: das ehemalige Kernwaffendepot Himmelpfort.

Den Kern der Anlage bilden zwei geraeumige 1-etagige Bunkerbauten aus den achtziger Jahren, von der DDR gebaut und zur Lagerung von Atomsprengkoepfen bestimmt. Diesem sehr speziellen Zweck ist der gesamte Baukoerper angepasst. Alle Raume und ueberdachten Zugangswege haben eine mittlere Hoehe von ca. 2,50m. Die sich gegenueberliegenden Eingaenge fuehren duch eine weitere Panzertuer in eine geraeumige Halle, die auf das untere, eigentliche Hauptniveau der Anlage fuehrt. Per Flaschenzug wurde 'das Material' auf dieses Niveau gebracht und in die durch leichte Schiebetueren verschlossenen Lagerkammern verteilt. Diesen gegenueber liegen alle noetigen technischen und sozialen Einrichtungen.

Verglichen mit den oberirdischen Anlagen sehen die Bunker aus, als ob sie soeben erst verlassen wurden. Keine broeckelnde Farbe, keine unangenehmen Gerueche. Alle wichtigen Installationen sind noch vorhanden. Der Bunker koennte auf Knopfdruck mit Luft und Licht versorgt werden. Leider war das bei unserem Besuch nicht moeglich. Wir mussten uns wie immer die dunklen Raeume mit der Taschenlampe erschliessen und fuer die Aufnahmen Meter fuer Meter mit dem Handblitz ausleuchten.

Nach getaner Arbeit wurden die Tueren wieder fest verschlossen, der Wachmann bezog mit seinem Hund Posten und uns bleiben die digital aufbereiteten Bilder und die weitere Recherche zur Nutzung und Baugeschichte, sowie dem Eigentuemer die Hoffnung auf potentielle Kaufinteressenten.

An dieser Stelle einen herzlichen Dank an die Mitarbeiter der BBG.

Thomas Kemnitz,  30.07.2000

Die baugleiche Anlage befindet sich bei Stolzenhain und ist ebenfalls Vimudeap-Objekt: Kernwaffendepot Linda Stolzenhain

Thomas Kemnitz,  05.02.2014

Seit Mai 2005 ist eine baugleiche Anlage in Polen, ebenfalls Vimudeap-Objekt: Kernwaffendepot Sulecin

Thomas Kemnitz,  15.06.2005

Militärisch gesehen war dies kein Kernwaffendepot, sondern ein Depot für 200 Kernsprengköpfe. Das eigentliche Mittel = die Waffe= das eigentliche Kernwaffeneinsatzmittel KWEM stand nicht in Himmelpfort. Auch ist die Ortsbezeichnung (vielleicht gewollt) nicht ganz richtig, denn in der Ecke gibt es zwei Depots.

Zum einen handelt es sich um die wesentlich ältere Anlage in Himmelpfort, und bei der gezeigten Anlage um das Kernsprengkopflager Lychen II bei Hohenlychen. Das gezeigte Lager hat eine Schwesteranlage bei S.../Jüterbog. Insgesamt gab es 5 Lagerobjekte auf Armeeebene. Die Objekte in den Divisionen und die Luftstreitkräfte hatten an den Flugplätzen eigene Bunker vom TYP GRANIT.

Die eigentlichen Kernwaffeneinsatzmittel (Raketen SS23 und SS21) standen an anderen Standorten in Sheltern (schwere geschützte Silos), u.a. bei Wokuhl .

Peter Rentsch,  05.12.2000

Die Kenntnis über die Existenz eines Schwesterobjektes sowie der richtigen Namen beider Objekte zeigt, daß Sie doch nicht ganz fachfremd sein können. Zumindest finden sich in Ihrem Artikel über die Disloziierung der sowjetischen Truppen im Raum nördlich Berlins die Angaben aus den 90er Jahren wieder, die die WGT damals an die Bundeswehr übergeben hatte und die auch in einiger weniger Literatur veröffentlicht worden sind, die aber nur ansatzweise den Stationierungsverhältnissen vor 1989 (Struktur '83) entsprachen.
Da Sie so sicher von 200 Kernsprengköpfen reden, würde mich doch schon interessieren, ob Sie dafür sichere Erkenntnisse besitzen.
Ich muß ehrlicher Weise zugeben, daß ich beide Objekte schon vor einigen Jahren mit nur ganz wenigen Kilometern Abweichung durch einen geographischen Berechnungsmodus für die Stationierung der Luftabwehr gegen strategische Ziele errechnet habe und auf Luftbildern ausfindig machen konnte. Ich muß auch betonen, daß ich noch nie ein sowjetisches Kernmunitionslager ohne Bahnanschluß gesehen habe. Die Bauzeit geht auf den Beginn der 80er Jahre zurück, unmittelbar nach dem NATO-Doppelbeschluß über die Stationierung von neuen Kernwaffen in Westeuropa, zurück. Beide Objekte sind vom Bautyp her ortsfest, d. h. im Gegensatz zu anderen Depots nicht für eine kriegsbedingte Verlegung nach vorn vorgesehen gewesen, z. B. wegen eines fehlenden Kfz-Transportbataillons oder eines Bahnanschlusses oder einfach nur wegen des "holprigen" Lochplattenbetonweges oder des festungsmäßigen Ausbaus.
Die Herstellung eines militärgeographischen Bezuges fällt schwer. Man kann nach dem Ausschlußprinzip vorgehen und sieht dann, daß eine Zuordnung zu den Landstreitkräften (mit Ausnahme der beiden Panzerdivisionen Vogelsang und Jüterbog II, aber dafür fehlt die Äquivalenz in der Anbindung an die Marschstraßenb sowie zu anderen Panzerdivisionen) nicht möglich ist. Auch die Luftstreitkräfte kommen nicht in Frage. Die Einheiten und Truppenteile der strategischen Streitkräfte oder der operativ dem TVD unterstellten Kräfte waren in einer völlig anderen Richtung (Südost) ausgerichtet: vgl. Lage der Schwesterobjekte Waren / Königsbrück / Hranice usw. Für welche Truppengattung sollen dort die Sprengköpfe gelegen haben?

Einzig funktionierend ist die Einbettung in das Luftabwehrsystem für die wichtigen Räume Berlin (NVA) und zentrale Truppen der Front (GSSD). Das nördliche Objekt befindet sich im gleichen Abstand und gleicher Anordnung zum nördlichen Rand des Raketenobjektringes der Fla-Brig. Bernau/Ladeburg(NVA) wie das südliche Objekt vom südlichen Rand des kleineren Raketenobjektringes der Fla-Brig. Wünsdorf III (GSSD). Darüber hinaus gibt es noch andere Berechnungswerte, die das bestätigen. Mehr will ich dort überhaupt nicht hineininterpretieren. Ich bitte um Gegenargumente!

Reif,  24.07.2001

Sehr geehrter Herr Reif,
als kleine Anmerkung zu Ihrem Diskussionsbeitrag in der VIMUDEAP-Seite zu Vogelsang und Himmelpfort erlaube ich mir nur ein paar kurze Bemerkungen.

1. vor dem Zusammensetzen völlig unterschiedlicher Bilder (hier gemeint Zusammenhänge) steht die saubere Recherche.

2. Ihr Wortbeitrag stellt ein für mich als Militärhistoriker unverständliches Konglomerat von unbewiesenen, nicht verallgemeinerbaren und schlecht recherchierten Sachverhalten dar.

Beispiel: Sie hätten noch nie ein KWEM-Lager ohne Gleisanschluß gesehen. Da kann ich nur sagen ich kenne mehrere, z.B. mal nach Königsbrück fahren.

Sie können beruhigt davon ausgehen, daß die beiden Standorte in Stolzenhain und in Himmelpfort, dem in der VIMUDEAP - Seite genannten Zweck dienten.

Die von Ihnen genannten strategischen Luftverteidigungszusammenhänge sind, bis
auf die Tatsache, daß die Einrichtungen sich unter einem gewissen Luftabwehrschirm befanden, frei erfunden.

Wenn Sie nach Beweisen suchen, biete ich Ihnen vier Varianten an:

a) Sie setzen sich mit den Inspektionsoffizieren des Amt für Nachrichten der Bundeswehr (AfNBw) in Verbindung, die den Aufbau und die Zweckbestimmung in umfangreichen und sehr präzisen Untersuchungen dokumentiert haben,

b) Sie fordern einen Durchschlag der 5- jährlichen Inspektionskontrolle im Angang zu den INF- Abrüstungsverträgen an, die letzte Kontrolle in diesem Jahr war von einem Oberstleutnant der US-Skr., vermutlich DIA.

c) Sie setzen sich mit dem 4-Sternegeneral a.D. Klaus Naumann in Verbindung und bitten um die Aufhebung der Sperrvermerke für die Auskunftsdokumente des Oberkommandierenden der GSSD an die Bundeswehr aus dem jahr 1990. Dort werden sie die Zweckbestimmung der Einrichtungen finden.

d) Sie investieren ca. 70 Deutsche Mark und lesen ein Buch der NOMOS-Verlagsgesellschaft zu diesem Metier.

Zu Ihren Berechnungen will ich mich nicht äußern, da ich deren Inhalt und Nachvollziehbarkeit nicht prüfen kann und auch nicht kenne. Aber wenn Sie schon diese Berechnungen anführen, warum sagen Sie der Öffentlichkeit dann nicht den Standort der 3. Anlage (dieser Zweckbestimmung) auf dem Gebiet der DDR?

Nebenbei betrachtet gestatte ich mir den Hinweis, daß ich es für unangebracht halte, wenn man die einfachste militärische Termini in einem wilden Durcheinander von Taktik, Strategie oder Operativer Kunst nennt.

Hier empfehle ich ein grundlegendes Befassen mit der Militärdoktrin, die verschiedene Aspekte der Stationierung eindeutig beleuchtet.

Da Sie angeben, in beiden Anlagen gewesen zu sein, dürfte Ihnen die Baulichkeit der Seitenstollen aufgefallen sein. Mir ist bis heute unklar, wie Sie eine von Ihren strategischen Raketen oder Luftverteidigungsmitteln (was auch immer das sein mag) in den Bunker reinbekommen wollten, denn die Kranbahn verlief nur im druckfesten Innenteil. Über die Ausmaße einer dieser Raketen, z.B. Typ S-200 WEGA können Sie sich auf dem Flugplatz GATOW schnell ein Bild machen.

Aus den genannten Gründen kann ich Herrn Kemnitz nur zu seiner sehr sachlichen und fundierten Arbeitsweise danken und ich hoffe auch in ausgewählten Sachthemen weiterhin einen kleinen beratenden Beitrag leisten zu können.

Ihr P. Rentsch
Diplommilitärwissenschaftler und Hauptmann a.D.

Peter Rentsch,  26.07.2001

Sehr geehrter Herr Rentsch,

ich bedanke mich bei Ihnen als Diplommilitärwissenschaftler und Hauptmann a. D. (der NVA ?) für die wohl in Erregung geschriebene Antwort an mich.

Wie Sie schon richtig erwähnten: das Jahr 1990 (!). Ich habe am Ende der 80er Jahre für die WGT einige Zeit gearbeitet und die großen Umstrukturierungen und Standortverlegungen mitbekommen. Diese waren noch vor dem Jahre 1990 so gravierend, daß sie in einigen ostdeutschen Gemeinden zu argen volkswirtschaftlichen Schwierigkeiten geführt hatten, entweder durch den quantitativen Verlust an Kaufkraft oder durch eine plötzliche Neubelastung durch die zusätzliche und unangekündigte Stationierung von Truppen: Beispiel Hubschraubergeschwader in Brandis.

Ich beziehe mich bei meinen Untersuchungen und Aussagen auf die 80er Jahre, da die 1990 an die Bundeswehr übergebenen Unterlagen aufgrund der vorher erfolgten Umstrukturierung mit Blick auf die 80er Jahre zum Teil wertlos sind, was aber keine Abrede über deren Bedeutung zum damaligen Zeitpunkt sein soll.

Meine Quellen, und da habe Sie recht, sind leider nicht die von Ihnen benutzten. Ich arbeite seit der Wende ausschließlich mit Luftbildern (sehr großen Darstellungen), Vorortbesuchen, eigenen Befliegungen und Befragungen von sowjetischen Armeeangehörigen (als sie noch anwesend waren). Zu einer sauberen Recherche gehört nach meiner Ansicht z. B. auch, daß man feststellt, daß vor der Artilleriebrigade x an einem bestimmten Standort bis zum Jahre 1989 ein verstärktes Panzerregiment y gestanden hat und daß man nicht alles kommentarlos übernimmt.

Zuerst zur Begrifflichkeit: Die Adverbien/Adjektive taktisch, operativ und strategisch haben mehr als zwei Bedeutungen, auch bei den Militärs. Das wissen Sie ja sicher selbst. Beispiele:

taktisch klug - taktischer Bomberoperativ entscheiden - operatives Manöverstrategisch günstig - strategisches Ziel

Der Begriff strategische Luftabwehr ist ein Begriff, der in der Literatur immer öfter auftaucht und hinter dem sich die Bekämpfung von Luftzielen jeder Art verbirgt, die von ihrer Reichweite und Bedeutung her auf strategischer Ebene, also gegen strategische Ziele, zum Einsatz kommen: z. B. Marschflugkörper, Mittelstreckenraketen etc. Das war damit gemeint und nichts anderes.

Zu den beiden strittigen Objekten: Ich habe nicht behauptet, daß sich dort der eine oder andere Raketentyp befunden hat. Und schon gar nicht habe ich von der WEGA gesprochen, deren Standorte in der ehemaligen DDR ich wirklich zu kennen glaube. Ich habe lediglich ein wissenschaftliches und kein konfuses oder zusammenhangloses Prinzip (oder Methode oder wie immer Sie es nennen mögen), nämlich das Ausschlußprinzip (eines von vielen anerkannten), dargestellt, daß ich immer zuerst dann anwende, wenn ich anderweitig nicht weiterkomme. Und genau das ist bei mir hier der Fall. Und weil ich mich noch nicht festgelegt hatte, bat ich um Gegenargumente.

Ich kenne übrigens ein drittes Objekt dieser Art nicht. Ich mache mir deshalb auch schwere Vorwürfe, weil mir ein solcher Lapsus normalerweise nicht unterläuft. Vielleicht benennen Sie es und gehen noch auf meine Frage ein, für welche Truppengattung in diesen Lagern die Sprengköpfe gelagert worden sein sollen. Sollte sich ein solches drittes Lager im äußersten Süden der ehemaligen DDR befinden, könnte ich mich für Ihre Theorie erwärmen, weil dann ein neuer militärgeographischer Bezug (Manche sagen auch militärstrategischer Bezug) anwendbar wäre.

Da ich sehr gern 70,- DM investiere und auch sonst nicht lesefaul bin, würde ich Sie bitten, die unter Ihren Punkten a) bis d) gemachten Andeutungen zu konkretisieren bzw. die genauen und fertigen Bezugsquellen zu benennen. Ich danke Ihnen schon an dieser Stelle.

Noch etwas grundsätzliches: Ich möchte diese Seiten zu einer wissenschaftlichen Argumentation mit allem Für und Wider und nicht zu gegenseitigen Beschimpfungen nutzen.

Ich hoffe auf Verständnis

Mit freundlichen Grüßen
Reif

Reif,  26.07.2001

Hallo,
ich würde ja mal gerne in so einen Bunker rein gehen!
Nur wie ?
Und findet man auf dem Militätbasen noch waffen etc?
Als ich und ein paar kumpels haben bei Röddelin auf dem Schießplatz Minen gefunden und Rakenten ähnliche Teile und Hülsen ist das normal??

Crawler,  24.12.2004

Hallo, Munition bzw. Munitions- und Waffenreste gibt der Sandboden nach den Jahren immer mal wieder frei. Einfach den Verbots- und Hinweisschildern glauben schenken, auf Wegen bleiben und nichts anfassen. Wenn doch mal was auftaucht, Fundort wenigstens markieren und sofort melden!

Zum Kernwaffendepot Himmelpfort, auch Lychen II genannt, veranstaltet der BBN-eV immer mal Führungen. Einfach dort mal anfragen: www.bbn-ev.de

Thomas Kemnitz,  03.01.2005

Ich bin zwar kein Militärstratege und war auch nicht mit operativer Planung befasst, ich meine aber einige Details zur Standortfrage sagen zu können.

Ausgehend von der Lage nach dem 2. Weltkrieg und der in den Konferenzen von Jalta und Teheran gefaßten Beschlüsse der Alliierten zur Aufteilung Deutschlands, war der Raum nördlich Berlins (Gransee aufwärts) von besonderer operativer Bedeutung.
Durch die geographische Lage und die topographischen Besonderheiten der möglichen Einsatzräume jenseits der Grenze der späteren DDR, war die Dislozierung (Stationierung) starker Panzerverbände in dem Raum maßgebend.
Ausgehend von der Haupteinsatztrichtung operativer Bestimmung, wurden nach 1945 vorwiegend ehemalige Standorte der Wehrmacht die Hauptstandorte der späteren 2. (Garde)-Panzerarmee bezogen.

Die Haupteinsatzrichtung operativer Bestimmung muß außerdem im Zusammenhang mit den topographischer Besonderheiten der weiteren Stoßrichtungen gesehen werden:
1. die Hamburger Operationsrichtung (kein panzergängiges Gelände)
2. Die Besonderheiten im Harz: die Richtung Lychow-Dannenberg, auch als Lychower Balkon bezeichnet.

Neben einer Stoßarmee mit Hauptdislozierung Magdeburg und Region, war die 2. Gardepanzerarmee Hauptträger dieser operativen Gruppierung. Deshalb befanden sich auf relativ eng begrenzten Räumen (Neuruppin, Gransee, Fürstenberg, Vogelsang) eine enorm schlagkräftige Armee. Daher ist es nicht verwunderlich, daß die Stationierungsorte dieser Armee neben stark offensiv handelnden Panzerverbänden, auch die unterstützenden Truppenteile und Einheiten dort disloziert waren. Dazu zählten ab 1957 zweifelsohne auch Einheiten des Kernwaffeneinsatzes auf Divisions-, Armee- und Frontebene.

Ausdruck dessen sind u.a. die Standorte Himmelpfort, Neuthymen, Wokuhl oder die Specker Heide. Alle genannten Standorte haben gemäß der operativen Planung zum KW-Einsatz und des jeweiligen Standes der Militärtechnik (Treffgenauigkeit, Einsatz/ Zielorte und Reichweite) eine minder lange Bedeutung als Stationierungsort gehabt.

Fürstenberg

  • Stab der 2. Gardepanzerarmee bis zum Abzug
  • 5. Fernmelde (früher Nachrichtenregiment) Regiment

    Ravensbrück (bei Fürstenberg)
  • 60. Rotbanner Motschützenregiment
  • 118. Nachschubbrigade

    Neustrelitz
  • 16. Rotbanner- Gardepanzerdivision (Stab)
  • 47. Rotbanner Mot-Schützenregiment
  • 65. Rotbanner (sogar 2x ausgezeichnet) Gardepanzerregiment

    Staats
  • 591. Rotbanner Garde- Motschützen-Regiment (MSR)

    Vogelsang (unterstand der 20. Gardearmee mit Stab in Eberswalde)
  • 25. Panzerdivision
  • Panzerregiment 162
  • Mot-Schützenregiment 803
  • FRR 1702 (Fla-Rak der LaSK)

    Mit an den Standorten Vogelsang bzw. Fürstenberg (Neuthymen) waren die Raketenabteilungen der Division und die Raketenbrigaden der Armee.

    Wegen der technischen Veränderungen an den Raketen selbst und wegen der Modernisierungen an den Rampen kam es zu einigen Umgruppierungen, da sowohl Rampen als auch die Lager für die Sprengköpfe den jeweiligen Bedingungen abgepaßt werden mußten.

    So ist es erklärbar, daß die Lager in Neuthymen ab einem Zeitpunkt Anfang der 70`er Jahre den Bedingungen der technischen Sicherheit und der Unterbringung nicht mehr genügten und es z.B. in der Nähe von Himmelpfort zu einem Neubau eines solchen Lagers kam. Durch die Einführung von Raketen mit Feststofftriebwerken änderte sich vorallem die materielle Sicherstellung der raketentechnischen Basen, da die Raketen bisher nach dem alten V-2 Konzept mit flüssigem Treibstoffen flogen. Die dazu zur Lagerung notwendigen Lager entfielen bei der Einführung der Feststoffraketen. Dafür stiegen im umgekehrten Sinne die Anforderungen an die Sicherheit und die Klimatisierung der Schutzbauwerke (Shelter).

  • Peter Rentsch,  30.12.2000

    Das vimudeap-Team hat im Jahr 2000 versucht, einige Standorte aus dem Raum Fürstenberg/Havel zu dokumentieren. Im einzelnen sind das

    Kaserne Neuthymen
    Kaserne Vogelsang
    Raketenobjekt Vogelsang
    Munitionsdepot Hammelspring
    Kernwaffendepot Himmelpfort
    Faserstoffwerk Fürstenberg
    Raketenbasis Wokuhl
    Feuerstellung Neuglobsow

    Thomas Kemnitz,  30.12.2000

    An dieser Stelle möchte ich auf den Spiegleartikel verweisen, der noch etwas zu den Hintergründen der Stationierung sagt. (Auch unter dem Punkt 'Links' zu finden.

    Thomas Kemnitz,  08.01.2001

    Für alle, die sich für weitere militärtechnische Details oder Pressemeldungen um den Abzug der Raketen im Jahr 1988 interessieren, empfehlen wir den Infotext zum Objekt Wokuhl.

    Thomas Kemnitz,  31.03.2001

    Hallo,
    Ich habe etwas doch ziemlich erschreckendes herausgefunden, aber auch entdeckt. In der nähe von Vogelsang ist auch ein Schießplatz/Truppenübungsplatz. Dort haben ich Raketen teile entdeckt. Es sah aus wie ein rohr mit ein paar düsen unten und einer wohlmöglichen Stabilisierungs Einrichtung (keine flügel, es war eher eine stange) Ich weis man sollte auf diesen gebieten nicht herum rennen aber mich interessierte es. Ich habe dann in den nahe gelägenden Ortschafen nachgefragt und sie sagten mir das sie als noch die Sowjets dort waren heulende geräusche hörten. Das erinnerte mich an den "Nebelwerfer" und an die "Stalinorgel" kann es möglich sein, das sie dort raketen tests ausgeführt haben ? Man hat mir auch erzählt das ein Haus in Annenwalde von einem Geschoss getroffen wurde. Dies hat mich doch sehr beunruhigt. Ich werde demnächst fotos von den teilen machen. Und sie euch zeigen.

    Mit freundlichen Grüßen: Christian
    Diplom Mediendesigner

    Christian,  16.04.2006

    Hallo Christian,
    es ist doch ganz normal, dass auf einem Übungsplatz mit solchen Dingen geübt wird. Normal ist sicher nicht, dass die Dinger da immer noch liegen.
    Beste Grüße Thomas

    Thomas Kemnitz,  16.04.2006

    Seit den ersten Artikeln zu den Anlagen, meist nach Führungen in den Objekten, sind rund 15 Jahre vergangen. Viele Fragen konnten beantwortet werden, andere bleiben ungeklärt. Erst kürzlich tauchte im Rahmen eines »Zählappels« die Frage auf, warum es in der DDR nur zwei in VR Polen und CSSR dagegen drei jeweilige Anlagen gab, die allerdings baulich kürzer in den Abmessungen der Lagerkavernen waren. Die Antwort ist ebenso einfach wie ernüchternd. Durch die Verlängerung der Lagerkavernen in dem Typprojekt II (=DDR) gegenüber dem Typprojekt I (dem Ursprungsprojekt) konnte man rechnerisch eine komplette Basis einsparen, weil sich die Anzahl zu lagernder Gefechtsköpfe in zwei statt drei Lagerbunkern unterbringen liessen.

    Wie bekannt, richtete sich das Ursprungsprojekt für Produkte T-7 nach gewissen klimatischen Zonen in der UdSSR wo das Projekt auch zeitlich früher umgesetzt wurde als in den Staaten der Verbündeten in der WVO. Eine geheime Übung 1964, in der eine speziell aufgestellte Hubschraubertransporteinheit alle erdenklichen Szenarien des Transportes von den Lagerbasen (hinten) in die Handlungsräume (vorn) durchspielte, ergaben eher ernüchternde Ergebnisse. Aufgrund der Tatsache, dass man keine »scharfen« Gefechtsköpfe transportierte, sondern nur bis zur Stufe 3 vorbereitete Systeme, machte es notwendig, diese »vorn« zu kompletieren u. in andere Stufen zu überführen. Der Zeitrahmen für Transportsicherung, Transport, Vorbereitung u. »Inbetriebnahme« war logistisch aber so unbefriedigend (zumal die mögliche Gegenseite seit 1955 ihre Einsatzoptionen in der BRD oder GB bereits disloziert hatte) dass man letztendlich empfahlt eine Vorn-Basierung vorzunehmen. Diese Entschlüsse wurden 1965 gefasst und später baulich ausgeführt. Das Projekt II sah daher eine grössere Menge einzulagernder Gk vor, als im Ursprungsprojekt vorgesehen. Das bereitet »»Zählhistorikern««, die immer nur die Zahlen eingelagerter Gk hoch u. runterrechnen bis heute Zahnschmerzen, aber die Erklärung war ganz einfach, man sparte eine Basis ein, und das war zumindest eine erheblich hohe Summe im Millionen MDN Bereich.

    Allerdings war das Projekt nicht unumstritten, weil sich klimatisch in den Anlagen Probleme ergaben. Listen der technischen Ausstattung der Ursprungsprojekte und der Projekte II führten zu diesem Schluss, der letztendlich durch Gediente in den Lagerbunkern bestätigt wurde. Es mussten Mittel geschaffen u. vorgehalten werden, die eine Entfeuchtung der grösseren Lagerkavernen auch unter schwierigen klimatischen Bedingungen gewährleisteten und man hatte einige Probleme damit, weil das Ursprungsprojekt keine höheren Luftdurchsätze zuliess die zur Entfeuchtung der Lagerumluft notwendig gewesen wären. Doch das nur am Rand.
    Die sowjetische Seite löste das in der bekannten Überbrückungsart mittels Übergangslösungen, die dann zu Dauerlösungen wurden. Das war der Ursprung der Story, warum die DDR nur 2 Bauwerke hatte und die wiegesagt vielen »Zählhistorikern«, die Bentwortung der Frage - Wer bekommt nun was und wer bekommt nun nichts von den eingelagerten Produkten ab? - bis heute Probleme bereitet.

    Auch die Lagerordnung wie auf vielen Internetseiten oder in einer mdr Dokumentation dargestellt, ist definitiv falsch. Wer sich mit dem Kreuzverzurren (Langversion der Spannschlösser) oder Linienverzurren (der kurzen Version der Spannschlösser) der Gk-Wagen und mit der Funktion der Aufnahmeaugen in der Bodenplatte mit den markanten Langlöchern befasst, wird erkennen, dass die Lagerordnung beim mdr wie auch bei Christel Focken dargestellt, Unsinn ist. Gediente bestätigen das. Wenn man zudem die Verzurrvarianten kennt und die Möglichkeiten der »Aufnahmeaugen« mit den Verzurrhilfen zählt, der kann genau ausrechnen, wieviele Gefechtsköpfe im Projekt I und im Projekt II maximal (inklusive der Montagereserve in den Vorbereitungsräumen 1 und 2) im Bunker gelagert werden konnten. Das waren beim Projekt 1 weniger, als beim Projekt 2, daher finden sich in den genannten Ländern jeweils 3 Basen und in der DDR nur 2.

    Die von einem früheren »Fachmann« hier angebrachten Zusammenhänge zu LSK und LV waren und sind bis heute Nonsens. Die dazu erforderlichen Lagerbasen sahen völlig anders aus und hatten auch einen anderen technologischen Sicherstellungsrahmen. Die Basen Lychen und Stolzenhain waren einzig und allein für die Lagerung von Gefechtsköpfen vorgesehen und nichts anderes.

    Etwas verwirrend ist hier die Kennzeichnung des Objektes als Lychen 2. Das trifft nicht ganz den Kern. In Lychen gab es zwei Militärstädtchen, erstens das Objekt »Hohenlychen« = Militärstädtchen Nummer 1, und das bekannte Lagerobjekt mit der genauen Bezeichnung »Militärstädtchen Nummer 2". Verkürzender Weise wurde dazu immer Lychen 2 gesagt, die richtige Bezeichnung lautet aber Militärstädtchen Nummer 2 - Lychen. Nicht Lychen 2.
    Das geht aus der Übergabedokumentation des Objektes eindeutig hervor und man sollte diese Version auch so übernehmen.

    Beide Objekte in Deutschland, also Stolzenhain und Lychen, befinden sich in einem erbärmlichen Zustand. Das Objekt Lychen wurde bis auf die Lagerbunker komplett zurückgebaut, obwohl es Bewerber für die Liegenschaft gab, die eine Nutzungskonzeption hatten und auch einen musealen Betrieb gestattet hätten. »Fachgutachter« hatten den Wert der Bunkerumgebung auf 5000 € und die Lagerbunker auf einen Wert von 1000 € geschätzt ... was für ein Witz.

    Trostdem zog man es bei der den Geschäftsbetrieb abwickelnden Brandenburgischen Bodengesellschaft mbH (BBG) vor, die Liegenschaft dem Landkreis OHV zuzusprechen, der dann nichts besseres zu tun hatte, als das Objekt für viele Millionen Euro Steuergelder abzureissen und zu renaturieren. Eine Museale Nutzung wurde ausgeschlossen. Warum auch - Geld im Wald versencken war wohl einfacher. Ob die Nutzungskonzeptionen aller Bieter seit 1990, also seit der Übernahme durch die Bundesfinanzverwaltung, jemals intensiv geprüft wurden, kann ich nicht bewerten, aber die Massen an Gutachten zu den Objekten, die jede Menge Geld kosteten aber nur zum Abriss führten, sprechen eine andere Sprache.

    Es ist bedauerlich, dass man sich im »vereinten« Deutschland nicht dazu durchringen konnte, eine Anlage West und eine Anlage Ost zu erhalten. Nur der privaten Initiative von Historikern wie Dirk Heuschkel, Mario Hoffmann, einigen Mitarbeitern von Stadtverwaltungen und Bauleuten beim Abriss ist es zu verdanken, dass einige Relikte aus dem Objekt sichergestellt und eingelagert wurden und dass demnächst vielleicht eine Gedenktafel an den historischen Ort erinnert.

    Während Abgeordnete ihre Diätenerhöhungen quasi in Lichtgeschwindigkeit beschliessen, dauert die Inhaltsklärung des Gedenkschildes bereits 9 Monate und das Schild ist bis heute nicht angebracht. Was für eine Leistung für eine Behörde, die zwar Geld für eine Haus- u. Hofhistorikerin ausgibt, aber für die Anbringung eines Schildes scheinbar keine 150 Euro übrig hat.
    Was bleibt, sind private Initiativen, die langwierig um jedes »und - aber - oder« und jede Bezeichnung kämpfen und dann solche Gedenkstellen der Geschichte aus der privaten Schatulle bezahlen. Würde es solche Mitmenschen nich geben, sähe es noch düsterer aus.

    PHR

    Peter Rentsch,  19.07.2014