Raketenbasis Wokuhl

Das vimudeap-Team hat 2000/01 versucht, einige Standorte aus dem Raum Fürstenberg/Havel zu dokumentieren. Im einzelnen sind das:

Kaserne Neuthymen
Kaserne Vogelsang
Raketenobjekt Vogelsang
Munitionsdepot Hammelspring
Kernwaffendepot Himmelpfort
Faserstoffwerk Fürstenberg
Raketenbasis Wokuhl
Feuerstellung Neuglobsow

Thomas Kemnitz,  31.03.2001

Das 'Neue Deutschland' berichtete 1988/89 in mehreren Ausgaben über die Erfüllung des INF-Vertrages durch die USA und die UdSSR.
Wir haben die Meldungen in einem PDF-Dokument zusammengefaßt.

(Vielen Dank an dieser Stelle an D. Heuschkel für die Kopien der Artikel)

Thomas Kemnitz,  31.03.2001

Die NBI veröffentlichte 1990 in ihren Ausgaben 42 und 46 Artikel, in denen die Raketenanlage bei Wokuhl sehr reißerisch und in vielen Details mangelhaft beschrieben wird.

Immerhin enthalten die Artikel Fotos, die den damaligen Zustand der Shelter zeigen. Wie zu sehen ist, ist der Shelter gut 2/3 ins Erdreich eingelassen. Dieser Umstand erklärt auf jeden Fall, warum heute nur noch ca. 2,50m hohe Hügel zu sehen sind.

Den Text der NBI-Aktikel können Sie als PDF-ansehen: Ausgabe 42/1990 und Ausgabe 46/1990 entnommen.)

(Vielen Dank an dieser Stelle an Peter Rentsch für die Kopie des Artikels)

Thomas Kemnitz,  31.03.2001

Am 16. Oktober 1999 veröffentlich die 'Krasnaja Swesda' einen Artikel eines Obersten a.D. über die Geheimoperation 'Nebel', bei der es um die Verlegung von strategischen Raketenkräften in die DDR und die Vorbereitung der Stellungen etc. geht. (PDF-Dokument)

Thomas Kemnitz,  31.03.2001

Liebe Macher von VIMUDEAP,
anbei eine Tabelle aus einer westlichen Quelle, die den Stationierungsumfang bei WOKUHL preisgibt:

Standort
Typ / Raketen / Launcher / Fahrzeug / Übungsraketen

Bischofswerda
OTR-22 / 8 / 5 / 0 / 4

Hranice (CZ)
OTR-22 / 39 / 24 / 15 / 13

Jena Forst
OTR-23 / 47 / 12 / 8 / 3

Königsbrück
OTR-22 / 19 / 11 / 9 / 10

Waren
OTR-22 / 22 / 12 / 9 / 7

Weissenfels
OTR-23 / 6 / 4 / 3 / 18

Wokuhl
OTR-22 / 5 / 6 / 0 / 7

Peter Rentsch,  01.09.2001

Auf den Seiten des NABU Kreisverbandes Mecklenburg-Strelitz findet sich unter dem Punkt Literatur auch ein Verzeichnis der Heftreihe 'Labus-Hefte (Neue Reihe)'. Der folgende Beitrag aus Heft 07.1997 auch online einzusehen:

Unter dem Titel Sand Oegken, Sandygken-, Sandugken-See – aus der wechselvollen Geschichte eines NSG schildern Klaus Borrmann aus Lüttenhagen und Erich Gebauer aus Neubrück u.a. auch die Vorgänge um die Errichtung der Raketenbasis im Wald nahe Wokuhl:

"Als jedoch in einer Novembernacht 1983 sowjetische Militäreinheiten Material anlieferten und mit der Abzäunung eines großen Gebietes einschließlich des Sandygkensees begannen, waren alle machtlos. Weder der Revierförster noch der Forstbetrieb Neustrelitz waren vorinformiert worden, daß in diesem Gebiet laut Nachrüstungsbeschluß der Warschauer Vertragsstaaten die SS20- Raketen mit Atomsprengköpfen stationiert werden . Über Nacht hatte Revierförster Gilgenast 330 ha Wald weniger zu betreuen, was ihn im Innersten tief traf.

Wiederum war es die abseitige Lage in einem ausgedehnten Waldgebiet unmittelbar an das Schießplatzgelände Ruthenberg-Retzow angrengrenzend, welche aus strategisch-militärischen Gründen zu dieser Standortwahl führte. Die Haupttransportwege führten über Wokuhl. Außerhalb des heutigen NSG aber unmittelbar angrenzend mitten im Wald entstand ein Gebäudekomplex von Kaserne, Wache, Sauna, Bäckerei, Heizhaus, Pumpenhaus und Gefängnis sowie sieben Bunker für Raketen, Atomsprengköpfe und Führungsstab.

Das Gesamtgelände wurde mit einem 3-fachen Zaunsystem und Wachhäusern gesichert, der Innenbereich von 450 x 550 m Seitenlänge mit einem Betonzaun typisch sowjetischer Bauart.Überall im Gelände wurde in Beständen und auf Gestellen Sand entnommen. Im Dezember 1985 wurde das Raketenobjekt offiziell aber in aller Heimlichkeit eingeweiht, wozu auch Staatsratsvorsitzender Honecker und der Oberkommandierende der Warschauer Vertragsstaaten Kulikow per Hubschrauber eingeflogen wurden. Über das Schicksal der Großvögel ist aus dieser Zeit nichts bekannt geworden. Das eingezäunte Gelände wurde im Prinzip wildleer geschossen.

In der Entspannungsphase unter der Ära Gorbatschow wurde 1987/89 begonnen, die Raketen wieder abzuziehen. Bis Ostern 1990 wurde das Gelände von sowjetischen Soldaten bewacht.

Im Mai/Juni 1991 begann durch gleiche Einheit der Rückbau und die Sicherung der baulichen Anlagen. Erst wesentlich später wurden finanzielle Mittel bereit gestellt, um die Bauwerke zu entfernen. Einen gewissen Abschluß einer ersten Entsorgungsphase gab es im Herbst 1996 durch die Demontage eines großen Gerätebunker, den Abriß der Zäune und einiger kleinen Gebäude und Unterstände. Die Raketenbunker selbst wurden zur ersten Sicherung übererdet bzw. laut Fachsprache "versiegelt". Weitere Nacharbeiten und Rückbauten zur Renaturierung sind notwendig. Die entgültige Beräumung und Kontrolleder Sicherungsmaßnahmen ist zunächst bis zum Jahre 2003 geplant. Die Rückübertragung der militärisch genutzten bisher beräumten Flächen in forstliche Verwaltung erfolgte 1993. Für eine Wertholzversteigerung wurden 1993 zwanzig Festmeter stark durch Kienzopf geschädigte Kiefern eingeschlagen. Mit den ersten Aufräumarbeiten beantragte die NABU Kreisgruppe Neustrelitz im Oktober 1991 die Ausweisung des Brückentin-Linow-Seegebietees einschließlich Sandygkensee als Naturschutzgebiet (Wernicke 1995). Im Herbst 1992 wurde das Verfahren dazu eröffnet und im September 1994 für den Teil Sandygkensee zum Abschluß gebracht. Im NSG selbst gibt es außer einem kleinem Fundament im Altholzbestand keine baulichen Anlagen mehr, allerdings bedingt durch die Erd- und Aufräumarbieten einige vegetationslose kleine Flächen bzw. Erdgruben."

Quelle des Textauszuges als Link oder PDF.

Thomas Kemnitz,  08.05.2003

Geschichtsverein Truppenübungsplatz Königsbrück e. V. (Hrsg.): Tarnname »Kolybel« - Sowjetische Atomraketen in der Oberlausitz, Königsbrück, 2016, S. 184 f.

#### Bereitschaftsstufe 1
betrifft: Startbatterie, Raketenabteilung, Raketenbrigade
Zur Gefechtsordnung im Stellungsraum entfaltet, Startrampen (und MIP) in Gefechtslage auf den Startpunkten, Rakete in senkrechter Lage auf das Ziel gerichtet, Vorstartvorbereitungen in vollem Umfang abgeschlossen, zum übergeordneten Stab bestehen stabile Nachrichtenverbindungen.
Aufenthaltszeit in BS-1: bis 2 Stunden
Zeit für den Start aus der Bereitschaft: 5 Minuten

#### Bereitschaftsstufe 2A
betrifft: Startbatterie, Raketenabteilung, Raketenbrigade
Zur Gefechtsordnung im Stellungsraum entfaltet, Startrampen (und MIP) in Gefechtslage auf den Startpunkten, Rakete im Container in senkrechter Lage auf das Ziel gerichtet, zum übergeordneten Stab bestehen stabile Nachrichtenverbindungen. (Nach Aussagen von Zeitzeugen wurde die Bereitschaftsstufe 2A seit Anfang der 70er Jahre nicht mehr verwendet.)
Aufenthaltszeit in BS-2A: ?

#### Bereitschaftsstufe 2
betrifft: Startbatterie, Raketenabteilung, Raketenbrigade
Zur Gefechtsordnung im Stellungsraum entfaltet, Startrampen (und MIP) abgetarnt in Gefechtslage auf den Startpunkten, Zielkoordinaten bekannt, Rakete im Container in horizontaler Lage, zum übergeordneten Stab bestehen stabile Nachrichtenverbindungen. (Zur Einnahme der Bereitschaftsstufe 2 war es unter anderem notwendig, den Container mit der Rakete aufzurichten, den Container zu öffnen, die Komplexkontrolle des Raketenleitsystems und das Einrichten der Rakete auf das planmäßige Ziel durchzuführen und den Container mit der Rakete danach zurück in die horizontale Lage zu überführen.)
Aufenthaltszeit in BS-2: bis 6 Monate
Zeit für den Start aus der Bereitschaft: 17 bis 25 Minuten

#### Bereitschaftsstufe 3
betrifft: Startbatterie, Raketenabteilung, Raketenbrigade
Zur Gefechtsordnung im Stellungsraum entfaltet, Startrampen mit den Raketen abgetarnt in Marschlage auf oder in der Nähe der Startpunkte, Zielkoordinatenbekannt, zum übergeordneten Stab bestehen stabile Nachrichtenverbindungen.
Aufenthaltszeit in BS-3: bis 6 Monate
Zeit für den Start aus der Bereitschaft: 23 bis 31 Minuten

#### Bereitschaftsstufe 4
betrifft: Rakete (Träger+Gefechtskopf)
Rakete auf der Startrampe oder dem Raketentransportfahrzeug, Gefechtskopf montiert
Herstellen der BS-4 (Gefechtskopfmontage): 30 bis 40 Minuten
Lagerzeit in BS-4: bis 12 Monate

#### Bereitschaftsstufe 5
betrifft: Träger
Träger auf der Startrampe oder dem Raketentransportfahrzeug (Übliche Bereitschaftsstufe der Rakete im DHS. Die Rakete befand sich ohne montierten Gefechtskopf auf der Raketenstartrampe 9P120. Die Startrampe war zusammen mit dem Prüf- und Startfahrzeug 9W243 im Garagenbunker untergestellt.)
Herstellen der BS-5 (Umladung): 30 bis 40 Minuten
Lagerzeit in BS-5: bis 12 Monate

#### Bereitschaftsstufe 6
betrifft: Träger
Träger überprüft im Transportcontainer, Komplettierungselemente eingebaut
Herstellen der BS-6 (Überprüfung): ?
Lagerzeit in BS-6: bis 12 Monate

#### Arsenal
betrifft: Träger
Zustand bei Lieferung durch den Hersteller, im Transportcontainer, nicht überprüft, Komplettierungselemente nicht eingebaut
Frist der Nutzung und der Lagerung: 10 Jahre

Thomas Kemnitz,  04.03.2025

Die Inschriften auf den Stelen am Appellplatz am Gefechtsstand lauten:

--- Links
Гражданин СССР обязан оберегать интересы Советского государства, способствовать укреплению его могущества и авторитета. Защита социалистического Отечества есть священный долг каждого гражданина СССР. Измена Родине - тягчайшее преступление перед народом.
Ст. 62 Конституции СССР

Der Bürger der UdSSR ist verpflichtet, die Interessen des Sowjetstaates zu schützen und zur Stärkung seiner Macht und seiner Autorität beizutragen. Die Verteidigung des sozialistischen Vaterlandes ist die heilige Pflicht jedes Bürgers der UdSSR. Vaterlandsverrat ist das schwerste Verbrechen am Volk.
Artikel 62 der Verfassung der UdSSR

--- Rechts
25 января 1984 г.
Наша часть
Первая в сухопутных
Войсках заступалa на
Боевое дежурство
По обеспечению
Безопасности
Нашей родины.

Am 25. Januar 1984 ging unsere Einheit als erste in den Landstreitkräften für die Sicherheit unserer Heimat in den Gefechtsdienst.

Thomas Kemnitz,  09.03.2025