Schwimmstadion Leipzig

Bereits seit1891 bemühte sich ein "Verein Sportplatz Leipzig" um die Erbauung großzügiger Sportstätten auf dem Gelände an den Frankfurter Wiesen. Erste entstandene Anlagen wurden in den folgenden Jahrzehnten erweitert. Städtische Planungen in der Weimarer Republik und im „Dritten Reich“ sahen den Ausbau des 56 Hektar großen Areals in Nachbarschaft zum 1920 fertiggestellten Elsterflutbecken zu einem repräsentativen Sport- Und Kulturforum vor. Nachdem das NS-Reich mit der Realisierung seiner Planung nicht über den Bau eines Aufmarschplatzes hinausgekommen war, blieb es der jungen DDR vorbehalten, das Projekt zu verwirklichen.
Zeitgleich mit der Berliner Stalin-Allee entstand das Leipziger Sportforum als Vorzeigeanlage des jungen „Arbeiter- und Bauernstaates“. Es umfaßt bis heute das weitläufige Gelände entlang des Elsterflutbeckens zwischen Hans-Driesch-Straße im Norden und Mainzer Straße im Süden, wo es mit dem Gebäudekomplex der Hochschule für Körperkultur (heute genutzt durch die Sportwissenschaftliche Fakultät der Universität Leipzig) einen repräsentativen Abschluß findet.

1950 begannen die Arbeiten mit dem Bau des Schwimmstadions an der Friedrich-Ebert-Straße.. Nach zweijähriger Bauzeit wurde die in ihren Formen immer noch stark an NS-Architektur erinnernde Arena ihrer Bestimmung übergeben. Sie verfügt über 50 m-Bahnen und eine 55 Yard-Anlage und ist für 9.000 Zuschauer
ausgelegt.
1955 bis 1956 entstand nordwestlich angrenzend mit fünfgeschossigem Hauptgebäude und Glockenturm das „Stadion der 100 000“ als damals modernstes deutsches Stadion, erbaut mit dem Trümmerschutt der im Krieg verwüsteten Leipziger Innenstadt. Neben Zentralstadion und Schwimmarena umfaßt das Forum Leichtathletik-Stadion, Sportmuseum und Festwiese.

Über Jahrzehnte hinweg erfüllte die Anlage ihre Funktion als eine der wichtigsten Wettkampf- und Trainingsstätten der DDR, beispielsweise fanden hier unter enormem propagandistischem Aufwand die Turn- und Sportfeste der Republik statt.

Nach dem Ende der DDR rückte das Gelände zunehmend in ein Schattendasein und begann zu verfallen. 1996 gab es bereits Pläne, das Schwimmstadion einschließlich des angrenzenden Freibades abzureißen. Inzwischen erfolgt der Um- und Neubau des ehemaligen „Stadions der 100.000“ mit Mitteln von Bund und Stadt als Spielstätte für die Fußball-WM 2006 mit einem Fassungsvermögen von 40.000 Zuschauern. Als Bauzeitraum ist Dezember 2000 bis Mai 2003 vorgesehen.

Das einst als erste Einrichtung des gesamten Forums eröffnete Schwimmstadion bleibt hingegen bisher verwaist. Der Sprungturm erhebt sich trist über einem Rest brackigem Wassers, im trockenen Schwimmbecken sammelt sich Sperrmüll, und die großen Zeiger der Uhr über den Zuschauerrängen sind erstarrt. Planungen für die Zukunft dieser historischen Anlage sind nicht bekannt.

Robert Conrad,  10.05.2002

Hervorragende Bilder und ausführliche Dokumentation.

Daniel Hinze,  08.02.2003

Letztes Jahr habe ich mir die Anlage anschauen wollen. Leider sind nur noch ein Teil der Zuschauerränge vorhanden. Die Anlage ist ansonsten abgerissen und die Becken sind verfüllt worden.

Tiltmann,  29.08.2008