Gefechtsstand Chef Grenztruppen Streganz Groß Köris

Die Waelder und Seen um die Gemeinde Gross Koeris im Landkreis Dahme Spreewald sind ein Paradies fuer alle Wassersportler und Erholungssuchenden. Wenig verraet die Umgebung vom einstigen Treiben. Zeltplaetze und Datschensiedlungen sehen hier aus wie anderswo.

Dennoch verwundern die zahlreichen aus Betonfertigteilen gebauten Wege. Der erste Streckmetallzaun laesst nicht lange auf sich warten: Privat! Betreten verboten! Meter weiter ein aehnlicher Zaun: Schiessanlage des Schuetzenvereins! Der Campingplatz traegt die Jahreszahl 1990 im Titel, obwohl der Maschendrahtzaun deutlich aelter sein muss. Wer betrieb vorher dieses Gelaende am Hoelzernen See?

Eine verlassene Kaserne: Ein sogenanntes Mehrzweckobjekt des Ministeriums fuer Nationale Verteidigung der DDR. Auch die Zivilverteidigung hat hier wohl ausgebildet. Nun, geblieben ist ausser verlassenen flachen Unterkunftsgebaeuden, einem Kultur- und Kinossaal mit in sich zusammengestuerztem Dach wenig. Doch: Fritz Weineck, der Kleine Trompeter, blaest hier mit Brustdurchschuss seine Fanfaren dem Treiben der Muecken in der Junisonne entgegen.

Hinter einem Schlagbaum fuehrt der Betonweg weiter. Zwischen den Baeumen blitzt Beton. Ein, zwei, ..., moegen es acht gewesen sein, Fertigteilbunker vom Typ FB75 - NVA-Standard zur geschuetzten Unterbringung von mobiler und stationaerer Technik. Alle fest verschweisst. Von weiteren oberirdischen Anlagen sind nur noch die Einebnungsflaechen zu sehen. Die ehemalige Objektstrasse endet auf einer tropfenfoermigen Lichtung. Eine Abgesetzte Sendestelle mit Antennenfeld?

Dieser Frage ging jemand genauer nach: In das Tor eines kleineren FB75 wurde ein Loch gebrannt! Ein Blick in das Innere gibt das fast Unblaubliche frei: Die Reste der wie unberuehrt z.T. noch vorhandenen Generator- und Lueftungstechnik wurden unter einem riesigen Berg aus Muell begraben. Umwelt- und Geschichtsaltlasten auf einfache Art und Weise konserviert. Nun schnell noch das Saugrohr des Dieseltanks dazu und zugeschweisst!

Der Weg wird schlechter. Gras waechst bereits zwischen den Platten. Eine Rotte Wildschweine passiert in geringer Entfernung den Weg. Wodurch sollten sie auch gestoert werden? Der seit Jahren nicht mehr genutzte Weg endet an einer riesigen Lichtung. Es gab wohl keinen Grund, den Weg weiterzubauen, die verwendeten Baumaterialien liegen noch fein saeuberlich gestapelt gegenueber der Lichtung. Quadratische, hohle Bauelemente fuer Betonstrassen?

Ein zweiter Blick gibt dem Gelaende Konturen. Die Lichtung ein Hubschrauberlandeplatz? Eine Schneise zeichnet aus Kabelkanaelen ein Rechteck. Was mag hier wohl gestanden haben? Den Schutt der Gebaeude zusammengeschoben und bepflanzt?

Es sind keine Schutthuegel. Es fehlen einfach nur die gebogenen Enden der Lueftungsrohre. Hier schlummert in der Erde der ehemalige Gefechtsstand des Chefs der Grenztruppen der DDR, dessen Stab im nahen Paetz stationiert war. Hier also der gleiche halbherzige Umgang mit Umwelt und Geschichte.

Die Kamera arbeitet sich Aufnahme fuer Aufnahme durch das schier endlos scheinende Labyrinth aus FB3-Bunkern, zurueckgelassenen Luftfiltern und dem etwas chemisch anmutenden Geruch der Hohlgaenge - 3 parallel und einer gekreuzt. Eine Fledermaus entflieht dem Licht der Taschenlampe. Gemuetlich ist es hier unten nicht, aber trocken. Eine lichte Hoehe von 2m wird durch das standardisiert Format der Bauelemente nur in wenigen Raeumen ueberschritten.

Zurueck bei den Muecken draengt sich das Wort 'Grabraeuber' in die Gedanken, das auch am Sonntag nicht weichen wird.

Thomas Kemnitz,  24.06.2001

Man braucht eigentlich zu den Anlagen nicht viel sagen, außer daß es sich beim Gefechtsstand des StMCGT (Stellvertreter des Ministers und Chef der GT) um eine teilgeschütze Anlage handelte, deren Schutzgrad eher gering war. Größter Vorteil war wahrscheinlich ihre Nähe zu Pätz und die damit gegebene schnelle Erreichbarkeit. Schade ist eigentlich ihr derzeit schlechter Zustand, die noch vorhandenen Anlagen zeigen, aber, daß dies früher etwas anders war. Die bewußte dilletantische Entsorgung sowohl der Bleireste als auch der Batteriesäure ist eigentlich ein Umweltskandal.

Die Bilder zu den FB-75 (FB75, Muellpanorama, Tankdeckel) am Hölzernen See, haben funktional nichts mit dem GS des STMCGT zu tun. Dieser Teil der Anlage war eine abgesetzte Sendestelle für den Ausweichgefechtsstand an der Hermsdorfer Schleuse. Das Gelände trug auch den Namen NAGL-1, hier wurden Techniker ausgebildet. Mit dem GS des STMCGT dort oben verband diesen Teil ausser der Nähe nichts. Nur weil Du die innerhalb einer Seite nennst ... .

Die Bunkeranlage des STMCGT seinerseits hatte seine abgesetzte Sendestelle bei Märkisch Buchholz, wo jetzt ein Tierheim drin ist. Schon die Nähe der Anlage des STMCGT zum Anlagenteil NAGL-1 und zur Hilfsnachrichten- zentrale-2 war an sich idiotisch, aber da haben sich
wohl die Chefs gegenseitig ein "Ei" gelegt, da die Anlagen bei Waffenwirkung viel zu dicht aufeiander liegen ... .

Peter Rentsch,  11.07.2001

Hallo Peter,
vielen Dank für die ergänzenden Informationen zur Funktion der Anlage bzw. einzelner Teile.
Ist schon toll, wenn die Bilder dadurch 'belebt' werden.

Thomas Kemnitz,  11.07.2001

Hier noch ein kleiner Tip von mir: Der sogenannte Zaunrest des Aussenzaunes den Du zeigst, war kein Zaun, sondern eine kapazitive Feldüberwachungsanlage, eine Art Geländeüberwachung. Im Prinzip standen die Überwachungsmasten (Zaunpfähle) auf der Mauer und in dem Kabelkanal liefen die Kabel. Der Aussenzaun war wesentlich grösser gezogen.

Peter Rentsch,  11.07.2001

Lieber Macher von VIMUDEAP,

Die in dieser Seite vorgestellte Anlage stellt, was deren Größe und Beschaffenheit darstellt, schon etwas Besonderes dar. Gerade die Frage, wie sicher die Anlage bei dynamischen Kräften infolge Waffeneinwirkungen ist (gerade bei den langen Verbindungstunneln), hat uns zu einer weiteren Recherche gezwungen.

Dabei stellte sich heraus, daß die bauliche Gestaltung der Anlage (vielleicht mit Truppenmitteln der NVA-GT errichtet) durchaus ein TYPPROJEKT sein könnte, da es eine weitere Anlage des fast gleichen Aufbaus im Norden der Republik gibt.

Die Verbindung über Tunnel scheint zu einem gewissen Bauzeitpunkt in den 70`er Jahren opportun gewesen zu sein, was auch an der baulichen Gestaltung der Anlage der HNZ2 sichtbar wird.

Zur neu gefundenen Anlage wird es eine weitere Recherche geben, möglicherweise muß erst eine Betretung beantragt werden. Der Zweitanlagenfund scheint ein Typbaumerkmal zu bestätigen, muß aber was die Umsetzung betrifft, erst mal auf die GT der NVA beschränkt bleiben, weil in allgemeiner Ausführung bei anderen Verbänden diese bauliche Gestaltung so noch nicht durchgängig vorzufinden war (LaSK, VM...).

Peter Rentsch,  05.08.2001

Zwischen G.Köris u. Motzen führt ein Betonplattenweg, an seiner linken Seite liegt der Güldensee (lt. Angelgewässerkarte DAV) und an diesem See sind einige Betonbauten zwischen Bahntrasse u. Ufer im Wald gelegen .
Was könnte das sein?

Oskar,  09.07.2003

hallo,
hu, nicht einfach. habe momentan kein bild davon im kopf.
einfach mal unter www.bunkerforum.de nachfragen. gruss tk

Thomas Kemnitz,  09.07.2003

Anfang des Jahres 2002 erreichte mich ein Anruf der für die ZDF-Produktion 'Die SS' (Ltg. Guido Knopp) zuständigen Produktionsfirma. Die Kollegen in Mainz suchten für den Vorspann einen langen Tunnel, durch den sie eine Stadycam-Fahrt machen wollten.

Bei ihren Recherchen stiessen sie auf dieses Objekt im Vimudeap. Das besondere Interesse galt dem Bild Flucht_01, da der dort inszenierte Gang scheinbar ideal für den geplanten Vorspann war.

Erstaunt äusserten sich die Kollegen, als sie erfuhren, dass die Anlage längst zugeschüttet und ohne Strom und Zufahrt mitten in einem Waldgebiet liegt. Meine Aufnahmen hatte ich ein halbes Jahr vorher mit einer kleinen Digicam und einem Handblitz gemacht. Somit konnte ich nicht weiterhelfen.

Ich wiederum war erstaunt, als Ende 2002 die Dokuserie im ZDF lief und sie es tatsächlich geschafft hatten, mit reichlich Technik in diese kleine unterirdische Welt einzudringen und die benötigten Aufnahmen anzufertigen.

Im Endergebnis sieht nur der Eingeweihte, dass ein DDR-Fertigteil-Bunker zur Fahrt in die dunkelste deutsche Vergangenheit benutzt wird - mediale Realität!

Hier also nochmals die Inspirationsquelle und das TV-Ergebnis, aufgenommen am 06.03.2004 um 20:15 bei Phoenix zur Folge 'Totenkopf'. Die Files als MPEG-1 (2.6 MB) oder MPEG-4 (1.1 MB). (© 2002 ZDF)

Thomas Kemnitz,  08.03.2004

Die in den Kommentaren beschriebenen Objekte »Mehrzweckobjekt« und »abgesetzte Sendestelle« sind jetzt eigenständige Objekte, hier im System:
Mehrzweckobjekt Hölzerner See Klein Köris
Funksendestelle, Neubrück

Thomas Kemnitz,  03.06.2014

Im Jahr 1979 erließ der Minister für Nationale Verteidigung (Armeegeneral Hoffmann) eine Direktive, die sich mit dem Bau und dem Betrieb von Führungsstellen für verschiedene Kommandoebenen und Teilstreitkräfte befasste.

Auf Basis dieser Direktive erarbeitete man im Februar 1980, im Kommando der Grenztruppen (KGT) in Pätz eine Entscheidungsvorlage für den Minister. Die Entscheidungsvorlage sah vor, im Planungszeitraum 1981- 1985 verschiedene Bauwerke zu errichten. Dazu gehörten:
- FÜST des Kommandos selbst, Schutzklasse "D" für 110-120 Mann ohne Sicherstelllung, Bauumfang 16. Mio M
- ein Ausweichobjekt, Schutzklasse "E" nach einem Bausteinsystem für den gleichen Personalbestand
- Führungsstellen für die Grenzkommandos NORD (GKN) und SÜD (GKS), auch Schutzklasse "E", Bauumfang jeweils rund 10 Mio. M, für einen Personalbestand von 50-70 Mann (ohne Sicherstellung). Dabei handelt es sich um die teilgeschützten FÜST der beiden Stäbe GKN und GKS.

Zugleich war vorgesehen, über einen längeren Zeitraum, bis 1990 weitere FÜST zu errichten. Das Programm verzögerte sich etwas, weil zugleich kurz vor dem Ende der DDR, neue Strukturen für die Grenztruppen in Planung waren, die u.U. die Rückkehr zur Brigadestruktur vorsahen oder aber auch die Bildung von Grenzbezirkskommandos. Die Planungen dazu waren sehr weit fortgeschritten, kamen aber nicht mehr zur Umsetzung. Deshalb hatte man den Bau weiterer FÜST begonnen, einige waren auch schon fertig, aber die Masse der zu bauenden Standorte "wartete" auf eine Strukturentscheidung und damit Standortbestätigung.

Das Thema, bisher etwas sträflich abgehandelt, wird im Jahr 2020 Bestandteil einer komplett neuen edition werden, die sich auch mit vielen anderen Objekten in der DDR befassen wird.

PR 24.11.2019

Peter Rentsch,  24.11.2019